Montag, 13. Februar 2017

Elektronische Zahlungen und digitale Währungen: Erfolge und Herausforderungen

Vor mehr als acht Jahren (2009) kam die digitale Währung Bitcoin; ihre Erfinder waren scheinbar entschlossen, mit den gesetzten Überzeugungen im Einsatz von Währungen aufzuräumen

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Damals von seinen Befürwortern für eine bahnbrechende Innovation, von seinen Kritikern für ein Schneeballsystem gehalten, hat sich der Markt für digitale Währungen seither weiterentwickelt und ermöglicht seinen Nutzern nun den Handel mit digitalen Währungseinheiten bzw. Waren und Dienstleistungen, ohne dass es der Koordination durch Dritte oder die Notenbanken bedarf.

Nun sind Innovationen bei Zahlungssystemen kein Novum – man denke nur an den anhaltenden Trend zu papierlosen Geldgeschäften. Doch sowohl die Bezahlung per Mobiltelefon oder Kreditkarte als auch die kontaktlose Bezahlung beruhen auf einem seit dem 16. Jahrhundert unveränderten Verfahren, nämlich dem zentralen Clearingprozess. Das Aufkommen digitaler Währungen markiert einen Bruch mit dieser fundamentalen Eigenschaft des Geldsystems. Die Bank of England nennt den Übergang von zentralen Registern zu verteilten Registern, wie sie den neuen digitalen Zahlungssystemen zugrunde liegen, eine bedeutende Innovation.1 Sie ermöglicht den komplett dezentralisierten Betrieb eines Zahlungssystems.

Viele Elemente entscheiden über den Erfolg einer digitalen Währung: Sie lebt von den Prinzipien der Kryptographie (verschlüsselte Kommunikation), um die Zulässigkeit von Transaktionen sicherzustellen; von dem Interesse der Nutzer (der sog. „Miner“), die sich zu „Mining Pools“ zusammenzuschließen, um Transaktionsblöcke zu verarbeiten und um deren Verifizierung zu konkurrieren; und von Peer-to-Peer-Netzwerken, in denen sich Käufer und Verkäufer mangels zentraler Koordination direkt austauschen. Innovationen dieser Art bringen große Herausforderungen mit sich.

Da wäre erstens die Frage nach der Sicherheit. Informationen können im Internet zwar problemlos geteilt, aber eben auch gestohlen werden. Bedenken im Hinblick auf Betrug und Cyber-Kriminalität, die für moderne Unternehmen ohnehin bereits gewaltige Probleme darstellen, erreichen im Universum der digitalen Währungen eine noch viel gravierendere Dimension. Bei einer dezentralisierten Währung, die als Tauschmittel (im Zahlungsverkehr der Unternehmen) oder Rechnungseinheit (beim Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten durch Unternehmen) eingesetzt wird, ist die Integrität des Systems von entscheidender Bedeutung. Gegenwärtige Modelle haben nach wie vor keine Antwort auf die Frage, wer den Markt beaufsichtigt und wie effizient dies geschieht. Dafür bieten sie zahlreiche Angriffspunkte für die potentielle Manipulation des Systems im großen Stil: Hacker-Angriffe auf IT-Systeme in Unternehmen, Diebstahl von Unternehmensinformationen und deren anschließende Nutzung für betrügerische Geschäfte auf Digitalwährungsplattformen mit enormen Summen.

Zweitens stellt sich die Frage, wie geordnete Marktverhältnisse in Ermangelung einer zentralen Koordinationsstelle aufrechterhalten werden können. Der Markt zeichnet sich durch Volatilität aus. Zwischen 2012 und 2014 stieg der Preis von Bitcoins um 5.000 %.2Ohne eine zentrale Behörde, die das Angebot steuert und das Vertrauen in den Markt erhält, ist an eine Stabilisierung des Preises kaum zu denken. Der Aufbau und Erhalt einer Marktinfrastruktur mit geeigneten Anreizen zum Schutz der Blockchain vor betrügerischen Angriffen ist von entscheidender Wichtigkeit für die Gewährleistung der Effizienz und Sicherheit des Marktes.

Die Technologie, die hinter den verteilten Registern steht, ist in ihrer Anwendung nicht auf Zahlungssysteme beschränkt. In einer Finanzwelt, in der die meisten Vermögenswerte – einschließlich Aktien und Anleihen – ausschließlich in digitaler Form existieren, haben verteilte Register ein ebenso großes Potenzial, um die Welt der Unternehmensfinanzierung zu transformieren. Es gibt bereits Beispiele für Blockchains, die außerhalb der digitalen Währungen eingesetzt werden. So prüfen die estnische Regierung und Nasdaq derzeit ein elektronisches Stimmabgabesystem für Aktionäre von Unternehmen, die an der Tallinner Börse notiert sind3.

Im Hinblick auf digitale Währungen gibt es nach wie vor erhebliche Herausforderungen. Ohne die leitende Hand der Zentralbank und aufgrund der eingeschränkten regulatorischen Aufsicht und Rechnungslegung bedürfen digitale Währungen dennoch einer vertrauenswürdigen Drittpartei für die Abwicklung des Settlementprozesses, ob es sich dabei nun um ein Finanzinstitut handelt oder nicht. Ohne einen solchen vertrauenswürdigen Dritten besteht die Gefahr, dass Transaktionen über einen langen Zeitraum offen bleiben (d. h. nicht abgerechnet werden). Dies stellt für die Unternehmensfinanzierung eine bedeutende Hürde dar, da der Wertpapierhandel unter Umständen komplexer wird und weniger flüssig abläuft. Die akkurate Bewertung eines Vermögenswerts ist grundsätzlich schwierig. Dies lässt einige der Bedenken im Hinblick auf die Bewertungsmethode für diese Währungseinheiten deutlich werden, denn die reine Konzentration auf Verbindlichkeiten stellt einen Bruch mit der traditionellen Methode der doppelten Buchführung dar. Ohne diese gibt es jedoch keine Sicherheit, ob der Marktwert einer Währungseinheit dem Zeitwert auch nur annähernd entspricht.

Digitale Währungen mögen ihre Grenzen haben, doch die Kräfte, die diese Marktinnovation hervorgebracht haben, werden nicht einfach so verschwinden. Finden Bitcoin (und andere derzeit bestehende digitale Währungen) keine geeignete Antwort, müssen weitere technische und systemische Neuerungen her, um die aktuellen Hürden zu überwinden. Das sogenannte „E-Geld-Vakuum“4wird letztendlich gefüllt werden. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann dies geschieht. Das Potential zur radikalen Veränderung des heutigen Marktverhaltens wird längst nicht nur den Zahlungsverkehr erfassen.

  1. Bank of England Quarterly Bulletin, 2014 Q3, S. 262
  2. Bank of England, S. 267
  3. Nasdaq Pressemitteilung, 12. Februar 2016
  4. A cybernetic ledger, FT, 8. April 2013, Izabella Kaminska
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